Kultur

Schamauchen

Brauchtum & Feste · Kultur

Bürgerwurst – Schamauchenwurst Am Gümpelimittwoch versammeln sich seit altersher die Wiler Ortsbürgerinnen und -bürger zum traditionellen Bürgertrunk. Auf der Speisekarte steht die Wiler Bürgerwurst mit Kartoffelsalat und einem „Bürli“ (ca. 80 g wiegendes St. Galler Traditions-Brötchen aus Halbweissmehl handgemacht, sog. Handbürli). Dazu wird Wilberger Wein kredenzt. Die Wiler Bürgerwurst wird nach einem speziellen Rezept nur von Metzgern hergestellt, die das Wiler Bürgerrecht besitzen. Es ist eine Kalbfleischwurst nach einem Rezept aus dem 18. Jahrhundert.

Die Wiler Schamauchen lassen sich am Gümpelimittwoch nicht lumpen. Sie treffen sich unter ihresgleichen in verschiedenen Restaurants zu einem Schamauchenhock. Nicht selten geniessen sie dabei eine Schamauchenwurst, die über die ganze Fastnachtszeit von Metzgern hergestellt wird, die nicht Wiler Bürger sind. Die Wurst gleicht nur äusserlich der Bürgerwurst. Ihr Rezept wird von jedem Metzger individuell zusammengestellt.

Die Benennung eines Einwohners mit Schamauch ist eigentlich verächtlich. Schamauchen bedeutet nämlich schmarotzen. Im alten Wil waren die Nichtbürger sogenannte Hintersassen. Sie besassen weder Haus noch Eigen in der Stadt und hatten keine politischen Rechte, nur Pflichten. So ist es wohl zu erklären, dass man sie geringschätzig als Schmarotzer bezeichnete.

(aus: Fastnacht in Wil, Wil 2014)

Bildarchiv (1)

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Quelle: wilnet.ch