Diese drei ältesten Filme von Fastnachtsumzügen in Wil stammen aus dem Familienarchiv Stiefel, Wil.
Schon 1594, als in den Wiler Ratsprotokollen erstmals die Rede von Leuten war, die zur Fastnachtszeit "... ungewonnliche Teüffels Kleyder annziechen, sinngen, sprinngen, dobennt, wüeten, dannzen und derglychen unflätig Sachen anfachen ...", scheinen bereits eigentliche Fastnachtsumzüge abgehalten worden sein. Erst im 19. Jahrhundert aber aber lassen sich weitere belegen.
Ein Umzug im Jahr 1905 unter dem Motto "Die sieben Wochentage" ist fotografisch und mit dem Umzugsprogramm dokumentiert. Nach heutigem Verständnis war es aber mehr eine Art historischer Umzug mit allegorischen Szenen, denn ein eigentlicher Fastnachtsumzug. Kleinere Umzüge fanden danach immer wieder statt, doch erst 1949 wurde wieder eine grössere Veranstaltung organisiert. Dazu die Vorankündigung: "Nach jahrelangem und kriegsbedingtem Unterbruch hat sich der Stadttambourenverein Wil entschlossen, dieses Jahr die Tradition eines grösseren Fasnachtszumzuges wieder aufzunehmen. Bereits seit vielen Wochen basteln die wackeren Tambouren unter künstlerischer Anleitung an ihren originellen Masken und haben deren einige Dutzend fertiggestellt. " Unter dem Motto "Fleischrationierung, Fleischpreisaufschlag, Konsumentenstreik" zog sich am Fastnachtssonntag ein beachtlicher Festzug durch die Stadt. Prinz Karneval aus Mostindien wurde um 14.20 Uhr am Bahnhof feierlich abgeholt und, in einer Ehrenkutsche unter Begleitung des Stadtammanns, zum "Goldenen Boden" geleitet. Dort fand die Uebergabe der Stadt durch die Behörden an den fastnächtlichen Herrscher statt. 1950 und besonders 1951 fanden die nächsten grossen Umzüge statt. Eine bereits 1950 ins Leben gerufene Kommission, bestehend aus den Wilern Paul Schmitt, Oskar Rey, Thomas Stillhart, Alex Bannwart, Albert Wyss, Karl Peterli und Gust Weber, verstand sich bald einmal als Trägerschaft fastnächlichen Lebens in Wil. Was lag näher, als einen Verein, die dieses Jahr ihr 50-Jahre-Jubiläum feiernde Fastnachtsgesellschaft Wil zu gründen ?
Ab 1952 wurden und werden nun die Fastnachtsumzüge durch die FGW organisiert. Im gleichen Jahr wurde, neben der Einführung der offiziellen Eröffnung am "Gümpelimittwoch", auch ein erster "Nörgeli" mitgeführt und auf dem Bleicheplatz verbrannt. 1957 wurde erstmals ein Kinderumzug mit einer Märchenfigur als "Nörgeli" durchgeführt. Der grosse Erfolg führte dazu, dass von nun an - alternierend mit dem Grossen Umzug - jedes zweite Jahr ein Kinderumzug stattfand und findet.
Werner Warth, Stadtarchivar














