Mit dem St. Agathatag vom 5. Februar kommen wir langsam in die Nähe der fasnächtlichen Höhepunkte. Offiziell begann die Fastnachtszeit im alten Wil schon nach dem Dreikönigstag, ihre wichtigsten Tage aber waren jene zwischen dem sog. Schmutzigen Donnerstag bis zum Fasnachtsdienstag.
Die Fasnacht war im alten Wil - und ist es vielleicht heute noch - die Zeit eines sehr intensiv ausgeübten Brauchtums. Keine andere Zeit des Jahres wird in den Mandaten so häufig erwähnt!
Die Fastnacht gilt ja als Ventil der Weltlust, die sich vor der strengen Fastenzeit nochmals austobte. Mit dem Aschermittwoch, der von der Kirche im 7. Jahrhundert als scharfer Kontrast zur vorausgehenden Ausgelassenheit eingesetzt wurde, fängt als innere Vorbereitungszeit für das Osterfest die 40-tägige Fastenzeit an. Früher durfte man nach kirchlicher Vorschrift in diesen ganzen 40 Tagen weder Fleisch noch Eier essen und musste ein zurückgezogenes Leben fern von allen Lustbarkeiten führen. Kein Wunder, dass man zuvor alle nochmal gehörig ass und trank und miteinander die Geselligkeit pflegte, sowohl die Einwohner eines Ortes miteinander als auch benachbarte Orte miteinander. So geht aus einem Ratsprotokoll des Jahres 1510 hervor, dass in jener Fasnacht an einem Donnerstag ,,gar vii" Leute aus der Gemeinde Elgg nach Wil zogen "..in der Mainung, ein gut fassnacht ze han", wie es heisst. Der Rat von Wil schickte 40 junge Wiler den Elggern entgegen, um sie freundlich zu empfangen und in die Stadt zu führen. Dort festeten die Wiler mit den Elggern in allen Wirtschaften, luden sie zum Nachtmahl ein, bezahlten ihnen den Wein und die Uebernachtung in den Herbergen und assen am nächsten Morgen erst noch mit ihnen das Frühstück. Der Wiler Rat, der das alles aus der Stadtkasse berappte, scheint damals eine besonders splendide Phase gehabt zu haben...
