Wie in anderen Städten auch gab es im Alten Wil zahlreiche Prozessionen, als festlichste von allen die Fronleichnamsprozession zu Ehren des Altarssakraments. An diesem Tag haben die Wiler schon in früheren Jahrhunderten ihre Häuser schön geschmückt. Gelegentlich waren sie in dieser Beziehung sogar übereifrig. Jedenfalls wurde laut einem Ratsprotokoll von der Mitte des 17. Jahrhunderts ein Wiler gebüsst, weil er am Fronleichnamstag vor seinem Haus ein ganzes Altärchen samt einer Monstranz errichtet hatte, allerdings war die Monstranz ohne Hostie. Die Leute aber, die vorbeigingen, meinten jedoch, es sei ein "richtiger" Altar mit dem Allerheiligsten drauf, sie machten - zur Freude des "Schöpfers" dieses Altärchens - Kniebeugen davor und zogen den Hut.
Neben den Altären wurden grosse Bogen über die Strassen errichtet. Die ganze Umzugsroute entlang richteten die Anwohner jedes Jahr reich geschmückte Laub- oder Tannenreisigbogen auf, die auf Holzunterkonstruktionen basierten, die dann verkleidet wurden.
1908 musste der hölzerne Torbogen der Familie Bosshard, in der Nähe der Rudenzburg, infolge Altersabnützung ersetzt werden. Aus diesem Anlass kamen die Anwohner der Toggenburgerstrasse an Auffahrt 1908 zusammen und gründeten die Bogengesellschaft Toggenburgerstrasse Wil. Und so konnte jedes Jahr ein liebevoll geschmückter Torbogen präsentiert werden. Daneben wurde das gute Einvernehmen in der Nachbarschaft gepflegt. Im April 2004, 30 Jahre nach "Abschaffung" der Fronleichnamsprozession, wurde die Bogengesellschaft aufgelöst.




















