In jedem Museumsfundus und in jedem Archiv sind Gegenstände oder Dokumente zu finden, die wenig oder gar nichts mit der jeweiligen Institution zu tun haben.
Sie sind im Laufe der Zeit "angeschwemmt" worden, liegen geblieben, auf Zusehen hin deponiert oder geschenkt worden. Als einzelne Objekte würden sie kaum je gezeigt werden - zusammen als "Strandgut" sind sie aber eine Ausstellung mehr als wert.
Jeder Gegenstand oder jedes Dokument hat seine eigene Geschichte, sein eigenes historisches Umfeld - dies zu zeigen oder besser, da nicht mehr möglich, meist nur anzudeuten, ist eines der Ziele der Ausstellung.
Der zeitliche Rahmen reicht vom bronzezeitlichen Schwert aus einem Fund am Gärtensberg und einem als "Einfasspapier" verwendetem Pergament aus dem 9. Jahrhundert zu beim Strassenbau gefundenen Münzen aus dem 13. Jahrhundert. Das hebräische Pergament stammt wahrscheinlich aus dem 15. oder 16. Jahrhundert, ebenso wie der im Hof zu Wil gefundene Lederschuh. Das Wiler Stadtsiegel wurde im 17. Jahrhundert erstmals verwendet. Der Hut des Sölderoberst Servert in spanischen Diensten stammt aus dem 18. Jahrhundert, während die "Erinnerungen" an die Wiler Brauereien aus dem 20. Jahrhundert stammen, ebenso wie die Strumpfnähmaschine für "Royal"-Strümpfe oder die Buchstaben der Wiler Filzfabrik. Die einzigen "Negativbeispiele", da infolge Wasserschaden verdorben, sind Glasplatten und Negative aus dem sonst einzigartigen (und sehr gut erhaltenen) fotografischen Nachlass Tschopp, der für Wil von überragender Bedeutung ist.
Auch heute werden Gegenstände "angeschwemmt", dies zeigen die beiden wohl prominentesten Beispiele, ein Fussball und der Original-Schweizer-Fussball-Cup, der dieses Jahr vom FC Wil in jenem denkwürdigen Spiel vom 12. April 2004 erkämpft wurde. Bei diesem ist ja immer noch nicht entschieden, ob er, da "voll graviert", in Wil bleibt oder beim Fussballverband oder sonstwo "angeschwemmt" wird.
Werner Warth, Museumsleiter/Stadtarchivar















