Vom Essen und Trinken in Wil in vergangener Zeit Wie haben unsere Vorfahren gelebt, wie haben sie gegessen und getrunken, aber wie sieht es heute aus mit unserer Ernährung, unserem Ernährungsverhalten, dies sind die Fragen, denen in der neuesten Ausstellung des Stadtmuseums Wil nachgegangen wird. Bis anfang Juli 2006 wird die Ausstellung im Hof zu Wil jeweils Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet sein.
Im Mittelalter nahm man fetthaltigere Nahrungsmittel zu sich, als wir es heute gewohnt sind. Auch mengenmäßig konsumierten die Menschen pro Mahlzeit damals mehr als wir. Gerade in den unteren Bevölkerungsschichten (fr)aß man sich, wenn einmal genügend Nahrung vorhanden war, geradezu bis oben hin voll. Denn die Armen konnten nicht wissen, wie lange sie auf das nächste üppige Mahl zu warten hatten. Durch die vielen körperlichen Tätigkeiten und Schwerstarbeiten war der Kalorienverbrauch pro Tag sowieso bedeutend höher als bei uns.
Die täglichen Mahlzeiten bestanden im allgemeinen aus dem Frühstück und den zwei Hauptmahlzeiten. Zum Frühstück aß man eine Suppe oder einen Brei oder gab sich mit einer Schüssel Milch zufrieden. Die erste Hauptmahlzeit fand am Vormittag, die zweite Hauptmahlzeit bei Sonnenuntergang statt. Da die Tage im Sommer länger als im Winter währen, konnte in der warmen Jahreszeit eventuell noch zwischen erster und zweiter Hauptmahlzeit eine kleine Zwischenmahlzeit aus Brot und Käse eingeschoben werden.
Das Nahrungsangebot bei den Bauer und auch der breiten Masse der Stadtbevölkerung dürfte gleich gewesen sein. Der Speiseplan eines gewöhnlichen Bauern wies z.B. folgendes auf: Breie und Grützen aus Hafer, Erbsen, Bohnen, Gerste, Weizen, Hirse, Roggen und Buchweizen, gekocht mit Milch und Butter oder Wasser; Eingeweide, Schweinsköpfe und Schweinepfoten, Blutwurst, Leberwurst, Bratwurst, Fleischwurst und Hirnwurst; Kraut, Kohl und Rüben, angemacht mit Speck und Schmalz; Roggen-, Hafer-, Gersten- und Fladenbrot, das aus einem Teil des Getreidebreies gewonnen und geröstet wurde.
In vielen mittelalterlichen Städten wie eben auch in Wil bewirtschafteten sogenannte Ackerbürger die umliegenden Felder und boten die Überschüsse auf dem Markt an. Ebenso wurden in den Städten Schweine in fest reglementierter Anzahl gehalten, und auf den städtischen Gemeindeweiden oder Allmenden befand sich das Vieh der Bürger. Gärten zum Gemüseanbau gab es sowohl innerhalb als auch außerhalb der Stadtmauern. Besaß man selbst kein Vieh, besorgte man sich das Fleisch beim Metzger, der für diesen Zweck Tiere kaufte, tötete, zerlegte und meist Schweine-, Rind- und Schaffleisch anbot. Wiler Metzgerordnungen aus dem 16. und 17. Jahrhunderten liefern bereits detailliert Vorschriften, zeigen bereits "moderne" Hygienvorstellungen oder ganz einfach die Rezepte der bekannten Wiler Würste. Zum Essen konnte man sich auch in ein Gasthaus begeben, von denen in Wil einige wie der "Wilde Mann" oder der "Adler" sehr weit zurück belegbar sind.
Zur Ausstellung Mit Hilfe von historischen Wiler Textstellen und Objekten wie Tellern, Gläsern oder Besteck aus dem Bestand des Stadtmuseums Wil wurde der "Lange Tisch" gestaltet.
Wichtig ist neben den historischen Fakten aber auch der Bezug zur "Jetztzeit". Informationen rund um das Thema aus heutiger Sicht, Filmsequenzen aus Werbung und Spielfilm sollen diesen Bezug herstellen. Als Zielpublikum sind auch speziell Schulklassen angesprochen. Mit der Berechnung des eigenen Body-Mass-Indexes, bei einem Frage-Antwort-Spiel und vor allem beim Geruchsparcour haben die BesucherInnen die Möglichkeit, selber aktiv zu werden.








