Kultur

Schublade Wil 1972 - 1975

Alternative Kultur · Kultur

Vorgeschichte 1972 -1973 Ein kleines Grüppchen Jugendliche aus Wil und Umgebung geht mit grossem Eifer daran, zwei Schutzräume im Kellergeschoss des katholischen Pfarreiheims Wil in einen Jugendtreff umzubauen. Aus dem vorderen Schutzraum wird ein Aufenthaltsraum, aus dem hinteren der Tanzraum. Nach der Eröffnung sind es die gleichen Leute, welche die Aufsicht übernehmen, Schallplatten auflegen, Putzen usw., und das unter den strengen Augen des Abwartehepaars und der Heimkommission des Pfarreiheims.

Nach kurzer Zeit schon wird die "Disco im Pfaff", wie die Besucher den Treffpunkt nennen, von Jugendlichen stark frequentiert. Der Treff ist jeweils am Mittwoch und Freitag von 19.00 bis 23.00 Uhr, und am Samstag von 19.00 bis 24.00 Uhr geöffnet. Den Eintritt von Sfr. 1.50 kann sich jeder leisten, etwas trinken (natürlich alkoholfrei) ist kein "Muss". Bald platzen die Räumlichkeiten vor Besucherandrang aus allen Nähten, Spannungen unter den Besuchern sind die Folge, für die diensthabenden Jugendlichen gibt es die eine oder andere ungemütliche Situation.

Die Konsequenz dieser Anfangszeit ist, dass die jugendlichen Initiatoren beschliessen, das Aufsichts- und Arbeitsteam zu vergrössern und besser zu organisieren. Die lose Struktur einer Interessengruppe wird aber beibehalten, und das Ganze bekommt einen Namen. Und der ist auch schon parat: "Schublade Wil".

Schublade Wil 1973 - 1974 Als nächstes wird ins Auge gefasst, mehr Raum anzubieten, das heisst, der vor den beiden benutzten Raümen befindliche Schutzraum wird ebenfalls ausgebaut und unterteilt. In der Mitte entsteht der Gang zum bestehenden Aufenthaltsraum, links vom Gang ein Billardraum, rechts vom Gang das Teestübli, alles unterteilt durch Trennwände.

Kaum sind die Türen geöffnet, kommen die Leute in Scharen. Es zeigt sich ganz klar, das ein wachsendes Bedürfnis für diese Art von Lokalität besteht. Die vielen Besucher aus Wil und Umgebung bringen nicht nur Peace, Love, Woodstock. Negative Vorfälle führen dazu, dass vom Pfarreirat her die Auflage gemacht wird, Mitgliederausweise für den Einlass einzuführen, was beim Betreiberteam und vielen Besuchern heftige Reaktionen, Murren und Unverständnis hervorruft. Die Weisung von oben ist klar, und es führt kein Weg daran vorbei. Einigen Leuten aus dem Betreiberteam wie auch einzelnen Besuchern ist das zu doof, bleiben von nun fern. Die ganze Diskussion hüben und drüben um diese Ausweise bringt im Endeffekt noch mehr Unruhe und Spannungen als bis anhin.

Das Aus für die Disco im Pfarreiheim im Mai 1974 Nach weiteren turbulenten Monaten beschliesst der Pfarreirat, nach Rücksprache mit der Heimkommission, die Diskothek im Pfarreiheim Wil aus folgenden zwei Gründen zu schliessen.

* Die Diskothek im Pfarrheim ist zu einer Art von "öffentlichem Lokal" geworden. Das stellt die Funktion des Pfarreiheims in Frage.

* Das Abwartehepaar sieht sich nicht mehr in der Lage, das Pfarreiheim mit der Diskothek in dieser Form weiterzuführen.

Ende und Anfang So wird Anfangs Mai 1974 der Jugendtreff im Pfarreiheim inklusive Discothek per Beschluss durch den Pfarreirat und den katholischen Kirchenverwaltungsrat geschlossen. Protestreaktionen von Besuchern und Team bringen nichts mehr.

Trotz einiger Frustabgänge von Teammitgliedern wird die "Schublade Wil" weitergeführt, einerseits um weiterhin zwei mal jährlich Popkonzerte im Pfarreiheimsaal zu organisieren, aber auch um andere Aktionen und Happenings unter dem Motto "von Jugendlichen für Jugendliche" anzubieten.

Symphatie und Power reissen nicht ab, für die Idee oder Vision einer "festen Heimat" weiterzukämpfen, und so ensteht aus der "Schublade Wil" am 10. April 1975 die "Interessengemeinschaft Freizeitzentrum Wil" in Form eines Vereins mit dem Zweck "Schaffung und Betrieb eines Freizeitzentrums in Wil, das politisch und konfessionell neutral ist, und allen Personen zur Gestaltung der Freizeit zur Verfügung steht".

Popkonzerte und andere Anlässe der Schublade Wil Während der Zeit 1973 - 1974 finden im grossen Saal des Pfarreiheims von der "Schublade Wil" organisiert, jährlich zwei Popkonzerte statt. Auch diese Konzerte, der Saal ist meistens brechend voll, festigen den Ruf der Schublade Wil als Macher und bringen mehr Besucher in die Disco im UG.

Auch während der Aera der IG Freizeitzentrum Wil von 1975 -1977 bleibt die "Schublade Wil" als integrierter Bestandteil Organisator von diversen Anlässen und Veranstalter von Popkonzerten im Pfarreiheim.

Ernst "Tuli" Eugster, 2004

Bildarchiv (17)

Schublade_Wil_Kommune_27_1975.jpgSchublade_Wil__Schliessung_Disco-01.jpgSchublade_Wil__Schliessung_Disco-02.jpgSchublade_Wil__Schliessung_Disco-03.jpgBewilligung_Popkonzert_1976.jpgSchublade_Wil_Anton_Bruhin_1977.jpgSchublade_Wil_Circus.jpgSchublade_Wil_Freeway_75.jpgSchublade_Wil_Freezing_Point.jpgSchublade_Wil_Jrg_Weibel_1975.jpgSchublade_Wil_Kedama_at_Sunrise_Studios_1976.jpgSchublade_Wil_Markus_und_Franco_1975.jpgSchublade_Wil_Roberto_Parilla_1975.jpgSchublade_Wil_Skibbereen_1976-1.jpgSchublade_Wil_Skibbereen.jpgSchublade_Wil_Westward.jpgSchublade_Wil_Why_Blood_1976.jpg

Quelle: wilnet.ch