Aus einem "handgestrickten" Freiluftkonzert wächst ein überregional bekanntes Rockfestival:
Jahr für Jahr vermag der gleiche Anlass tausende von Zuschauern auf die Weierwiese zu locken: Das Openair rockamweier in Wil SG. In friedlicher Atmosphäre und an schönster Lage wird den Besuchern ein abwechslungsreiches Musikprogramm geboten. Bekannte Namen wie Reto Burrel, Roli Frei, Paul Camilleri und Starch Addition beehrten schon die Weierbühne. Daneben stellten auch immer regionale Newcomer ihr Schaffen dem Wiler Publikum vor. Durch das qualitativ hochstehende Programm und die spezielle Ausstrahlung hat sich der Anlass über die Stadtgrenzen hinaus einen guten Namen geschaffen und sich unter den Ostschweizer Openairs etabliert.
In seiner Entwicklung kann der junge Anlass auf eine beachtliche Erfolgsgeschichte zurückblicken. Die Zuschauerzahlen nahmen jährlich zu und so wohnten in der vierten Durchführung vom Sommer 2004 bereits 4500 begeisterte Zuschauer dem Spektaktel bei.
Wie es dazu kam Die Zeichen standen auf Aufbruch, damals, im Frühling des Jahres 2001. Alle Bandmitglieder der Mundartrockgruppe close-down hatten endlich die RS hinter sich gebracht und wollten sich in alter Frische wieder dem Publikum zeigen. Dario Sulzer, Thomas Epple, Marcel Frehner und Patrick Mathis zog es wieder auf die Bühne ihrer Heimatstadt Wil, wo sie schon beachtliche Erfolge feiern durfte.
Mit diesem Ansinnen im Hinterkopf besuchten die jungen Musiker die im März 2001 stattfindende Ausstellung "Wilde Zeiten". Sie waren fasziniert von den gewaltigen Energien, die die kulturelle Bewegung Wils in den achtziger Jahren an den Tag legte. Der an der Ausstellung ertönte Ruf nach mehr Kultur in Wil ging nicht spurlos an ihnen vorbei: Ganz im Stil der "Wilden Zeiten" wollten die Musiker von close-down nun ihr Comeback gestalten- als Openair.
Das erste rockamweier Nun gingen die Jungs an die Vorbereitungsarbeiten und luden gleich noch drei befreundete Bands aus Wil und Umgebung ein, damit das Publikum etwas zahlreicher erscheinen würde. So rechnete man mit rund 300 Besuchern, die dem Konzert am Weier beiwohnen würden.
Der Anlass sollte ohne Abstriche ein Beitrag zum Wiler Kulturleben darstellen, deshalb verzichteten die Organisatoren auch auf das Erheben eines Eintrittsgeldes. So waren die finanziellen Mittel stark begrenzt und man musste sich bei Sponsoren und der Stadt Wil Unterstützung holen. Dennoch war die Infrastruktur auf das nötigste beschränkt. Die Bühne bestand zum Beispiel nur aus einem umgebauten Lieferwagen.
Nichtsdestotrotz meinte es das Wetter gut mit den Organisatoren, so dass sich schlussendlich über 1000 Besucher auf der Weierwiese einfanden. Dieser überwältigende Publikumsaufmarsch zeigte den Veranstaltern, dass Wil diese kulturelle Bereicherung bitter nötig hatte. Die gute Resonanz aus der Bevölkerung bewog die Veranstalter dazu, den Verein rockamweier ins Leben zu rufen, dessen Aufgabe es ist, alljährlich Mitte Juni das Gratis-Openair rockamweier auf der Weierwiese zu organisieren.
Kontakt: rockamweier.ch Von einer Handvoll Bands auf einem umgebauten Lieferwagen zum überregionalen Kulturereignis — die Geschichte des rockamweier ist eine Geschichte des stetigen Wachstums.
Wachstum und Anerkennung (2005–2010) In den Jahren nach der Gründung etablierte sich das Festival rasch als fester Bestandteil des Wiler Kulturlebens. Die Besucherzahlen stiegen von Ausgabe zu Ausgabe, und das Gratis-Konzept erwies sich als tragfähig: Finanziert durch Catering-Erlöse und Sponsoren konnte der Verein den freien Eintritt als Grundsatz beibehalten — ein bewusstes Zeichen gegen die zunehmende Kommerzialisierung der Festivallandschaft.
Ab 2005 ergänzte das Beizenfestival «Rockamfreitag» das Programm: In Altstadtlokalitäten traten kleinere Bands auf und brachten die Festivalstimmung mitten in die Wiler Altstadt. Dieses Begleitformat lief bis 2018.
Im Jahr 2008 wurde dem Verein rockamweier der Preis der Stiftung Ria & Arthur Dietschweiler verliehen — eine Auszeichnung für kulturelles Engagement in der Region. Zwei Jahre später, 2010, folgte der Anerkennungspreis der Stadt Wil SG.
Überregionale Strahlkraft (2011–2018) Das Festival wuchs über die Stadtgrenzen hinaus. In der Regel traten rund 15 Bands pro Ausgabe auf, darunter stets mehrere Wiler Lokalformationen sowie zunehmend überregionale und internationale Gäste. Zu den musikalischen Highlights dieser Jahre zählten Auftritte von Hank Shizzoe, Popa Chubby, Stiller Has, Raggabund und — 2016 — der US-amerikanischen Latino-Hip-Hop-Band Delinquent Habits.
2018 verzeichnete das Festival mit rund 17'000 Besucherinnen und Besuchern einen neuen Rekord (Tagblatt, Juni 2018) und bestätigte damit seinen Platz unter den grössten Gratis-Openairs der Schweiz.
Rückschläge und Resilienz (2019–2021) Die Ausgabe 2019 musste vorzeitig abgebrochen werden: Ein Sommersturm zwang die Veranstalter, das Festival mitten im Betrieb zu unterbrechen — ein seltener, aber unvermeidbarer Eingriff in den Festivalbetrieb.
2020 folgte die Absage wegen der Covid-19-Pandemie. Auch 2021 war eine ordentliche Durchführung zunächst ungewiss; schliesslich musste auch diese Ausgabe abgesagt werden — das dritte Mal in Folge, dass das Festival nicht plangemäss stattfinden konnte. Für die rund 250 bis 350 Freiwilligen, die das Festival jedes Jahr tragen, war es eine besondere Belastungsprobe.
Comeback und neue Rekorde (2022–2025) Die Rückkehr 2022 wurde zum Triumph. Beim 20. Jubiläum des rockamweier strömten über 22'000 Besucherinnen und Besucher auf die Weierwiese — ein neuer Rekord und ein eindrückliches Zeichen dafür, wie sehr das Festival in der Region verankert ist.
2023 übertraf das Festival diesen Wert nochmals und zählte erstmals über 25'000 Zuschauer.
Die 23. Ausgabe im Juni 2025 bestätigte diese Entwicklung: Erneut rund 25'000 Besucher erlebten ein zweitägiges Programm mit lokalen Bands wie Buster No sowie überregionalen Headlinern wie den Lovebugs und Ikan Hyu. Das Familienprogramm «Kids on Stage» hat sich als fester Bestandteil etabliert.
Die 24. Ausgabe ist für den 12. und 13. Juni 2026 angekündigt.
Was als Comeback-Konzert einer Wiler Mundartrock-Band auf einem umgebauten Lieferwagen begann, ist heute eines der grössten kostenlosen Open-Air-Festivals der Schweiz — getragen von einem Verein, hunderten Freiwilligen und dem Grundsatz, dass Kultur keinen Eintrittspreis braucht.





















