Als 1855 in Wil der erste Zug einfuhr, lag zwischen dem einfachen Stationshäuschen und den ersten Häusern stadteinwärts eine grosse Wiese. Ein Strässlein - die heutige Obere Bahnhofstrasse - verband damals Wilen und die Hub mit der Wiler Oberstadt. Um 1856 wurde an der Wiese ein stattliches Haus errichtet. Erbauer waren die in Wil bestens bekannten Müller aus Mosnang, die schon verschiedene andere Gebäude, vor allem Wirtschaften, in Auftrag gegeben hatten. In Anlehnung an das von ihnen 1835 aus dem Material des alten Mosnanger Schützenhauses erbaute Hotel "Schöntal" wurde die Wirtschaft "Neuschönthal" genannt. Als einer der ersten Wirte ist vor 1872 Johann Heinrich Oswald bekannt. In den folgenden Jahren entwickelte sich vor allem der Garten zumeigentlichen Anziehungspunkt. Jeweils gegen Ende Mai oder anfangs Juni wurde mit einem grossen Konzert die Gartenwirtschaft eröffnet. Musikgesellschaften aus dem ganzen Kantonsgebiet waren im Verlauf der Jahre zu hören, die Gartenwirtschaft zum "Neuschönthal" florierte.
Trotzdem gab es recht häufig Wirtswechsel, bis ab 1924 mit den Schwestern Frieda und Karolina Högger zwei Wirtinnen für längere Zeit auf dem "Neuschönthal" blieben. Die Konkurrenz am Bahnhofplatz wurde aber immer stärker und der Betrieb so immer schwieriger. Am 22. März 1954 wurde der Restaurationsbetrieb eingestellt. Anfangs August 1960 wurde das Gebäude abgerissen.
(Olbrich, Willi; Gastliches Wil, Wil 1989)








