Raum

Restaurant "Dufour"

Abgebrochene Häuser · Raum

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An der Dufourstrasse, am Bleicheplatz, befand sich das Restaurant "Dufour". Befand darum, weil es am 22. April 1985 abgerissen wurde und dem Neubau einer Bankfiliale weichen musste. Kurz nach der Jahrhundertwende war das "Dufour" als Speisewirtschaft eingerichtet worden und war bald ein bekannter Quartiertreffpunkt. Von 1969 bis 1982 wirteten Norma und Albert Brunner auf dem Dufour. In dieser Zeit war das Dufour eines der bekanntesten Fasnachtslokale in der Region und auch die Metzgete, die Albert Brunner als Metzger selber machte, war weit herum bekannt. Während dieser Zeit hatten sie den grössten Bierumsatz der Ostschweiz. Wie beliebt die Brunners als Wirtepaar waren, zeigte sich auch daran, dass 1990 zum 50. Geburtstag von Norma Brunner an das "Dufour-Treffen" sage und schreibe 120 ehemalige Stammgäste erschienen. Wo sonst fand man Geschäftsherren, Büezer und (damals) Rocker friedlich vereint unter einem Dach? Als einziges Restaurant durfte das Dufour zudem die Fasnachtsdekoration nicht abbrechen, weil sich die Gäste gewehrt haben, bis es bewilligt wurde, sie das ganze Jahr über bestehen zu lassen.

Eine weitere, wenn auch kurze, Blütezeit erlebte es in den Jahren vor dem Abbruch. Dank der Initiative des letzten Wirtepaares wurde das "Dufour" zu der "Musikbeiz" in der Region. Beinahe wöchentlich fanden Konzerte statt, die praktisch immer ausverkauft waren. Aus allen Sparten der Schweizer Musikszene rekrutierten sich die jeweiligen Gruppen, das Spektrum reichte von Folk zu Rock, von Jazz zu Blues. Die musikalischen Aktivitäten lassen sich am ehesten mit denen des "Pfauen" um die Jahrhundertwende vergleichen. Beinahe alle Bands, die in der aktuellen Schweizer Musikszene bekannt waren, gastierten im "Dufour": So zum Beispiel "Jammin the Blues", die "Philipp Mali Band", "Slim Danny and the Hawks", "the Bucks", "Span", "Angy Burri and the Apaches", "Trace", "Hall", die "Swiss German Jazz Corporation" oder das "Appenzeller Space Schöttel". Viele verschiedene Konzerte waren es, viel Erfolg war ihnen beschieden, und sofort stellte sich die Frage nach einem Ersatz, als bekannt wurde, dass das "Dufour" bald einmal seine Pforten schliessen würde. Da trotz einiger Versuche im Restaurant "Viktoria" eingesehen werden musste, dass halt ein Lokal wie das "Dufour" in Wil fehlte, taten sich einige junge Kulturinteressierte mit ähnlichen Raumproblemen zusammen - der Verein "Kulturlöwe" wurde gegründet.

Bei der "Ustrinkete" im "Dufour" Ende März 1985, galt der Abschied nicht nur der Wirtschaft an sich, sondern generell einer Institution, die mit ihrem bunten Programm wesentlich das kulturelle Angebot in Wil bereichert hatte. Im April 1985 wurde das Restaurant abgebrochen.

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Quelle: wilnet.ch