Im Jahr 1460 soll Niklaus von Flüe (1417-1484) - besser bekannt als "Bruder Klaus" - in dem Häuschen genächtigt haben, was diesem später seinen Namen gab. Soweit die Legende, die Wirklichkeit sieht etwas anders aus. Erstmals ist nämlich an der Stelle, wo das "Bruder-Klausen-Haus" bis im Juni 2002 stand, auf einem Plan von 1735 ein Gebäude zu sehen. Mit einem Kaufbrief von 1795 erwarb Kaufmann Joseph Marin Morel (1733-1820) das "Bruder Clausen Guth", was aber eindeutig nur auf ein Grundstück hindeutet, ein gemauertes Haus wäre als solches bezeichnet worden. Im Wiler Brandversicherungsverzeichnis von 1807 nun wird die Liegenschaft als "Ein Schopf, Bruder Klaus genannt", aufgeführt, im Lagerbuch, das 1810 begonnen wurde, wird es konkret, indem Jean Morel, der Sohn von Marin Morel, 1826 den Schopf abbrechen und ein "Haus und Pfisterey" (=Bäckerei) bauen liess. Damit steht das Baujahr fest - es war 1826 !
Im Frühjahr 2002 zeigten dendrochronologische Untersuchungen des Dachstockes, dass zwar Balken aus dem 15. Jahrhundert wohl wiederverwendet worden waren, doch alles andere darauf hin wies, dass das Gebäude erst nach 1774 erbaut wurde.
Das Wandbild Das Wandgemälde, das sich an der Ostseite befand, stellt den heiligen Bruder Klaus und den heiligen Karl Borromäus, (1538-1584), Kardinal und Erzbischof von Mailand vor dem Bildnis des gekreuzigten Christus dar. Umrahmt wird das von illusionistisch gestalteten Würfeln und Stangen. Der Künstler ist unbekannt. Der Verdacht, es könnte sich um den bekannten Maler Paul Deschwanden (1811-1881) aus Einsiedeln handeln, ist nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen, hatte er doch guten Kontakt zu Pater Gall Morel (1803-1872), der sich als Enkel Josef Marin Morels oft in Wil aufhielt.
(Quelle: Unterlagen und Recherchen von Willi Olbrich, Wil, in verdankenswerter Weise zur Verfügung gestellt) Am 12. bis 15. Juli 2002 wurde das Haus abgebrochen, das Wandbild ist in einem Schaufenster Richtung Eingang Coop zu sehen.
















